Prolog – Heft für Zeichnung und Text





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»Lieber neurotisch als cool.«
Der Berliner Künstler Anton Schwarzbach über sein Magazin »Prolog«. Seit genau einem Jahr erscheint in der Hauptstadt unter prekären Umständen »Prolog«, ein Heft für Zeichnung und Text.
Diesen Sonnabend ist Präsentation der dritten Nummer und Ausstellungseröffnung im Prenzlauer Berg. Ein Noisekonzert folgt nächste Woche. Berlin ist voll von Kunst. Braucht die Welt, die Stadt noch ein Heft für Zeichnungen und Text? Was braucht die Welt überhaupt, sollte die Frage sein. Braucht sie Farbfernsehen? Andreas Koletzki, einer der Künstler im Heft, stellt die schöne Frage, ob wir vorm Farbfernsehen in Schwarzweiß geträumt hätten. Was muß man tun, bis so ein Satz in der FAZ steht, habe ich mich gefragt. Das Warten wurde mir zu lang, deshalb der »Prolog«. Warum heißt das Heft »Prolog?« Vor allem, was kommt danach? Zuerst sollte es »Triebtat« heißen. Fand ich gut, weil Künstler diesen unbedingten Drang haben, aus sich selbst heraus, im Zweifesfall auch gegen sich, tätig zu sein. Andere waren weniger begeistert.
»Prolog«, weil es der beste Titel für Vieles ist. Mir und uns geht es um den Versuch, nicht darum, etwas Endgültiges hinzustellen. Bis zum Epilog ist noch viel Zeit. Wer veröffentlicht im Prolog? Muß man jung und unverbraucht dafür sein? Überhaupt nicht. Die Künstler sind zwischen 19 und 83 Jahre alt. Ich konnte Uwe Kolbe die zweite Nummer zeigen. Als er die Grafik von Fritz Cremer im Heft sah, meinte er: »Man muß ja nicht mal mehr leben, um da reinzukommen«. Mir ist die Intention der Leute wichtig. Das Heft soll weder jugendsüchtig noch arriviert sein. Von daher sind Künstler dabei, die gerade erst mit Schreiben oder Zeichnen angefangen haben, genauso wie welche, die schon länger dabei sind. Wie kommt Fritz Cremer in den »Prolog«? Das hat auch einen familiären Hintergrund, den ich hier aber nicht überstrapazieren möchte. Es geht um Kunst, nicht um die Sippe. Ich mag seine letzten Blätter außerordentlich, und habe Christa Cremer gefragt, ob ich eines dieser Porträts verwenden darf. Dann ist »Deutschland, bleiche Mutter« auf der nächtlichen Museumsinsel definitiv Berlin für mich. Irgendwelche Trottel, die damit aber unbeabsichtigt sogar was ausdrücken, stecken der Skulptur ab und an eine Coladose in die Hand. Was mich übrigens rasend macht ist, daß die schöne Stadt Oranienburg jetzt, die Landesgartenschau 2009 im Blick, Cremers »Anklagende« von ihrem einzig sinnvollen Standort am Schloßplatz umsetzen will. Daß ihnen ja nichts und niemand ihr gutes Preußen und ihre Kieselsteinwege stört. Friederike Mayröcker aus Wien ist im aktuellen und im letzten Heft. Wie haben Sie das geschafft?
Hanna Hennenkemper, sie ist seit dem ersten Heft dabei, kennt Mayröcker. Ich habe dann nach nichtgedrucktem Material gefragt, und von ihr Texte aus ihrem Arbeitsjournal bekommen, wofür ich natürlich sehr dankbar bin. Ich will selber im Prolog veröffentlichen. Schicke ich was oder warte ich, bis ich eingeladen werde? Schicken, was sonst. Wir beißen nicht. Im Ernst, das ist der Gedanke hinter dem Ganzen: Probiert euch aus, wartet nicht mehr länger. Kunst geht vom Einzelnen aus, Politik geht mit dem Einzelnen um. Probieren geht vor Krepieren. Bezahlt das die Rechnungen? Nein. Schlimmer noch, für das neue Heft mussten wir sogar vorher draufzahlen. Einige sind Anfang November Blut spenden gegangen. Gibt 20 € auf die Hand. Warum sind alle Ausgaben limitiert? Ist das nicht elitär? Wenn Minderheiten elitär sind, ja, meinetwegen. Trotzdem stört mich der Eindruck, denn das Heft steht allen offen. Nein, das hat ausschließlich ökonomische Gründe. Das erste Heft zu produzieren, hat mich 200 € gekostet. Die ganze Angelegenheit ist ein Low-Budget-Unternehmen, was aber auch eindeutig seine Vorzüge hat. Die Hefte haben jeweils einen thematischen Schwerpunkt. Diesmal ist es »Rand«. Was für ein Rand ist damit gemeint?
Erstmal könnten jetzt über den Rand der Gesellschaft reden. Es gab und gibt Künstler, die sich damit ähnlich auskennen wie ein Arbeitsloser oder eine Kassiererin. Genauso steht »Rand« für Wahrnehmungsrand, für Erlebnisgrenzen. Es steht den Künstlern frei, wie sie den Begriff aufladen, definieren, womit sie ihn assoziieren. Was ziehe ich zur Austellungseröffnung an? Der Berliner geht mit Arbeitsklamotten in die Kirche. Es muß sich also niemand als Prolet verstecken. Dann findet die Ausstellung in den Kellern der ehemaligen Königsbrauerei im Prenzlauer Berg statt. Sprich, das ist keine Hochglanzkunst. Für Reinigung und Reparatur können wir nicht aufkommen. Eine Bitte habe ich: Laßt eure Coolness zu Hause. Wir sind lieber neurotisch als cool. Darf ich das alles eigentlich schön finden? Ist es unschön, wütend oder traurig zu sein und dann jemand zu sehen, dem es ebenso geht? Heißt Schönheit Unterhaltung oder etwas verlieren zu haben? Daß einfach etwas da ist, ohne daß es High-End ist, finde ich ehrlich schön. Sie dürfen also. Aber ich zwinge auch niemanden.

Interview: Marek Flohner/ Junge Welt

Empfangslobby
Atrium
Wohnzimmer
Raum 3
Kramkammer

Presseschnipsel

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schnipselPresse


Gregor Dotzauer schreibt im Tagesspiegel vom 6.12.2009 ...über einen unerschöpflichen Gründerwahn

... gewisse Kraut-und-Rüben-Ästhetik




Ruth Buder 27.07.2014 / MOZ

Experimentelles auf der Burg
...Wer die Objekte anschaut, muss sich auf Neues einlassen können, vieles ist witzig, nachdenkenswert, manches schwer zu verstehen...


 


Marek Flohner schreibt im Feuilleton der Jungen Welt vom 31.07.2010.
Unter der Überschrift „Darüber reden - Prolog: Ein Heft und eine Ausstellung zu Liebe, Sex und Sucht


„Alles Unglück der Menschen kommt davon her, daß sie nicht verstehn, sich ruhig in einer Stube zu halten«, meinte Blaise Pascal vor einigen hundert Jahren. Warum geht der Mensch vor die Tür? Um einzukaufen oder seinen Laptop spazieren zu tragen? Nein, selbst der größte Misanthrop ist irgendwo ein geselliges Wesen, das zu anderen will. Damit fangen die Probleme an: - „Prolog heißt es und wird seit knapp drei Jahren unter nicht kommerziellen Bedingungen verlegt.“ -


Sauna
Küche




Peggy Neidel
schreibt unter der Überschrift "Die stammt vom dreieckigen Zahnwimpel ab. »Prolog Nr. 11« verhandelt „Struktur(en)“"
am 01.08.2013 bei Fixpoetry.com

...Seien es sprachliche oder philosophische, Bleistiftstrukturen oder Scherenschnitte, gesellschaftspolitische oder ganz persönliche Strukturen. Was dabei herauskommt, ist teilweise schwindelerregend, aber dennoch immer, natürlich: mit Struktur.
.... „Prolog“ ist ein angenehm rough gestaltetes und inspirierendes Heft, für das man ein wenig Zeit braucht




Anouk Meyer schreibt unter der Überschrift „Schnipselhaftes Prinzip“ im Neuen Deutschland vom 04.08.2010

...das Magazin ... das in seiner kunstvollen Selfmade-Ästhetik ...


Stephanie Lubasch 13.07.2012/ MOZ

Das Flüchtige festhalten